Zur Desktop Version wechseln
4-liga.com App - Regionalliga Fußball Portal
Zurück zur Übersicht


Viktoria Köln in der Krise, aber Gönner Wernze hilft

Der neue Trainer des FC Viktoria Köln, Wolfgang Jerat hatte alles Erdenkliche getan, damit die Vorbereitung auf das Stadtderby gegen Aufstiegskonkurrent Fortuna Köln möglichst erfolgsversprechend ausfällt. So hat sich die Mannschaft für einige Tage in der Sportschule Hennef aufgehalten, um „die Jungs besser kennen zulernen und viele Einzelgespräche zu führen“, so die Erklärung des 57-Jährigen gegenüber dem „Kölner Stadt Anzeiger“.

Trotz dieser Ambition ist jedoch das enorm wichtige Spiel gegen den Rivalen aus der Kölner-Südstadt letztlich verdient mit 1:3 verloren worden. Die Viktoria hat viel verloren, denn neben der wichtigen Tabellenführung musste auch Prestige und vor allem ein Spieler wie David Müller eingebüßt werden, der mit Verdacht auf Muskelfaserriss für wahrscheinlich mehrere Wochen ausfallen wird. Nach rund 50 Spielminuten musste der Leistungsträger aus dem Mittelfeld für Hamdi Dahmani ausgetauscht werden. Damit wird der ehemalige Profispieler in diesem Jahr nicht mehr gegen den Ball treten. Seine Erklärung lautete: „Ich habe einen Pass gespielt und danach hat es geknallt.“ Zurzeit trifft es die Viktoria wirklich enorm hart, da auch andere Stammspieler wie Jerome Propheter, Marius Schultens und Kapitän Mike Wunderlich derzeit durch eine Verletzungspause ausfallen. Für Müller stellt diese Problematik auch einen Vorteil dar, denn: „Nun müssen eben die einspringen, die zuletzt weniger gespielt haben. Zum Glück verfügen wir über einen starken Kader.“

In Wahrheit sind diese Worte von Müller nichts als Schmeicheleien den Mitspielern gegenüber, die aber tatsächlich leistungsmäßig ein wenig abfallen, wie jüngst beim Derby gegen den neuen Tabellenführer aus der Südstadt eindrucksvoll zu beobachten. Seit drei Partien ist der Aufsteiger aus der NRW-Liga sieglos und demonstriert auch leistungsmäßig eine enorme, sportliche Talfahrt. Derzeit fällt auf, dass die Mannen von der Schäl Sick stets bemüht sind, es jedoch nicht schaffen können, das vorhandene Potential auch im Spiel zu demonstrieren. Es fehlt spürbar an Selbstvertrauen und einer taktischen Idee, die auch mit Leben gefüllt werden kann. Viele Zuspiele verfehlten ihr Ziel. Bälle landeten stattdessen beim Gegner oder im Seitenaus. Stürmer Aziz Bouhaddouz musste häufig vergeblich rennen, denn seine Qualitäten konnte er in diesem Derby nicht einsetzen. Es muss sich einiges gewaltig ändern, wenn die Viktoria den Anschluss an den Aufstiegsplatz nicht noch weiter verlieren möchte. Man mag nur hoffen, dass bis zur Winterpause die Viktoria-Kicker sich fangen können. Bitter auch die mentale Folge, dass der Erzrivale im heimischen Stadion Höhenberg gewinnen konnte. Die über 6000 Zuschauer waren ein wenig geschockt aufgrund der fehlenden Zweikampfstärke der Viktoria-Kicker. Sicherlich ist die Viktoria personell das am besten besetzte Team der gesamten Regionalliga West. Dennoch hat sich auf dem Platz gezeigt, dass die Fortuna derzeit das bessere Team darstellt.

Der Saisonstart der Rechtsrheinischen war in der Tat sehr erfolgsversprechend. Vielleicht sind dadurch auch automatisch die Erwartungen gesteigert worden. Gründe für diese Verletzungsproblematik sind neben den Verletzungsproblemen vor allem der völlig überraschende Trainerwechsel. Durch die finanziellen Möglichkeiten von Investor Franz-Josef Wernze kann in der Wintertransferphase weitere Qualität für den Kader verpflichtet werden. Die Stellenausschreibung ist relativ klar. So hat der gesuchte Akteur meistens eine Vergangenheit beim Stadt-Primus 1. FC Köln und ist auch dadurch für die Ligakonkurrenten finanziell nicht darstellbar. Vielleicht sollte aber stattdessen der Fokus auf junge, hungrige Spieler gelegt werden, die sich mit dem Verein vollauf identifizieren können. Vielleicht sollte bei den lokalen Vereinen Ausschau gehalten werden, denn das Konzept sollte das Geld ziehen.

Veröffentlicht: 26.11.2012 22:12 | Autor: Henning Klefisch | Quelle: ksta.de